
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 und der Reichsgründung 1871 verstärkten sich die Spannungen zwischen Staat und katholischer Kirche und mündeten im sogenannten Kulturkampf, der sich über die nächsten zwei Jahrzehnte erstreckte.
In Bonn fanden die konfessionellen Auseinandersetzungen ihren Höhepunkt, als der einstimmig gewählte und bereits seit 1851 amtierende Bürgermeister Leopold Kaufmann vom König nicht in seinem Amt bestätigt wurde.
Im übrigen verlief das 19. Jahrhundert friedlich. Bonn hatte seinen "demokratischen Augenblick", als Gottfried Kinkel 1848 auf der Freitreppe des Rathauses die schwarz-rot-goldene Fahne schwang und sieben Professoren der Alma Mater Bonnensis in die Frankfurter Paulskirche einzogen. Die Bürger söhnten sich mit der preußischen
Herrschaft aus und waren stolz auf die Königshusaren sowie auf die
Prinzen, die hier studierten.
Godesberg wurde zu einem viel besuchten Kur- und Badeort ausgebaut. Bonn und Godesberg waren reiche Wohnorte begüterter Familien geworden, die um 1910 zweihundert Millionäre zählten.