
Unterdessen erfuhr die städtebauliche Entwicklung Bonns regen Auftrieb. Zahlreiche Millionäre siedelten sich an und errichteten ihre Villen. Die unter dem Berliner Stadtbaumeister Paul Richard Thomann geplante "Südstadt" wurde zum bevorzugten Wohnort des wohlhabenden Bürgertums.
Durch die Neubauten der Institute, in der Nähe des Poppelsdorfer Schlosses, erfuhr auch die Universität eine umfangreiche Erweiterung.
Ein hervorragendes Ereignis war der Bau der ersten Bonner Rheinbrücke, die 1898 eingeweiht wurde. Die Beueler hatten, verärgert, weil der Brückenschlag ihre Werft nicht berücksichtigte, keinen Pfennig zu dem Bauwerk gegeben. So zahlten die Bonner zähneknirschend allein die damals größte Bogenbrücke der Welt. Den Beuelern aber streckte ein Brückenmännchen am Ostpfeiler den Podex zu. Es ging mit der Brücke im Zweiten Weltkrieg in den Fluten unter, wurde geborgen, aber inzwischen durch eine Kopie
ersetzt - seine "Schlotterbotz" zeigt noch immer nach Beuel, das
heute zu Bonn gehört.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 ging in Bonn eine insgesamt ruhige und wirtschaftlich stabile Zeit zu Ende. Die kommende Epoche mit ihren dramatischen Veränderungen und ihren Krisen sollte hierzu im krassen Gegensatz erscheinen.