
Mit Beendigung des Ersten Weltkrieges vollzog sich ein grundlegender gesellschaftlicher und politischer Wandel in Deutschland. Mit der Abdankung Wilhelm II. ging eine zeitgeschichtliche Epoche zu Ende. In Berlin rief Philipp Scheidemann die Republik aus. Nach Abzug der deutschen Soldaten, besetzten britisch - kanadische Truppen die Stadt Bonn. Sie wurden 1920 von der französischen Besatzung abgelöst. Die Stadt litt unterdessen, aufgrund ihrer besonderen wirtschaftlichen Struktur, erheblich unter den Folgen des Weltkrieges. Durch die Steuerreform von 1920 entfielen die hohen Einkünfte aus der Einkommenssteuer, die einst den Wohlstand der Stadt ausmachten.
Drei parallel verlaufende Vorgänge sollten die schon ohnehin desolate wirtschaftliche Lage Deutschlands und vor allem des Rheinlandes in den ersten Nachkriegsjahren noch verschlechtern: Zu den Wirren des sogenannten Ruhrkampfes, in dessen Verlauf sich das Rheinland im passiven Widerstand gegen die Besatzung und die Demontage der Montanindustrie auflehnte, verlief gleichzeitig die Bewegung der Separatisten, die eine Abtrennung des rheinländischen
Gebietes von Preußen unter französischer Kontrolle proklamierten. Auf nationaler Ebene kam die sich weiter verstärkende Inflation hinzu, eine Folge der hohen Reparationsleistungen, zu denen sich der Staat im Versailler Vertrag verpflichtet hatte.
Die Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich manifestiert sich zwei Jahre später in der "Rheinischen Jahrtausendfeier" in besonderem Maße. Das Fest bezog sich auf die Vorgänge im Jahre 921, als sich die Herrscher von West- und Ostfranken auf einem Schiff im Rhein vor Bonn trafen und den Anschluss der linksrheinische Gebiete an das Deutsche Reich vereinbarten.
Im weiteren Verlauf der Zwanziger Jahre erholte sich die Wirtschaft im Zuge der Währungsreform langsam wieder. Als 1926 die französischen Besatzungstruppen das Rheinland verließen, begann sich auch das öffentliche Leben wieder zu normalisieren.