
Das frühgotische Gotteshaus in der Brüdergasse wurde einst für den Minoritenorden errichtet, durch Plünderungen und Kriege jedoch immer wieder schwer beschädigt. Die Barockorgel, auf der einst Ludwig van Beethoven spielte, wurde ein Opfer des Brandes des II. Weltkrieges. Allein der Spieltisch ist heute als Leihgabe der katholischen Kirchegemeinde St. Remigius im Beethoven-Haus zu besichtigen.
Der Ursprung dieser alten Kirche ist nicht mehr feststellbar. Erstmals schriftlich erwähnt wurde sie 795 als Weihekirche für Remigius, den gallo-römischen "Lieblingsheiligen" der Franken.
1272 wurde der Bau von den Minoriten, einem Bettelorden, begonnen, konnte jedoch erst 1317 fertiggestellt und geweiht werden. Ursprünglich war der hl. Ludwig, Bischof von Toulouse, der Schutzpatron der Kirche.
1806 kam es zur Aufhebung des Konvents, woraufhin die Kirche von der Pfarrei St. Remigius übernommen wurde, deren Gotteshaus 1800 durch einen Blitzeinschlag schwer beschädigt worden und daraufhin abgebrochen wurde. Im Zuge der Begeisterung für die Neugotik wurde die Kirche dementsprechend neu ausgestattet und erhielt den großen Spätnazarener Altarzyklus der Künstler Ittenbach, Müller. Er stellt heute den einzig erhaltenen Altarzyklus der Spätnazarener im Rheinland und besteht aus elf Bildern.
Wie viele andere Bauwerke in Bonn, wurde auch die Minoriten-Kirche bei dem Beschuss durch brandenburgische Truppen 1689 stark beschädigt. So ist von der ursprünglichen Innenausstattung, bis auf einen geschnitzten Marienleuchter (vor 1630) und eine Halbfigur der Muttergottes (17. Jahrhundert, Jeremias Geisselbrunn), nichts erhalten. Gerettet wurde hingegen die barocke Holzkanzel (18. Jahrhundert), die den großen Brand (1888) und den Zweiten Weltkrieg überstand. Der Rokoko-Taufstein, wo auch Beethoven getauft wurde, stammt aus der alten Remigiuskirche. Die alte Orgel, auf der Beethoven einst spielte, fiel jedoch dem Bombardement 1944 zum Opfer - einzig der Spieltisch ist erhalten.
An der Kirche überrascht die kühle gotische Strenge und Einfachheit. Sie ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit Kreuzgratgewölbe aus Tuffstein und besitzt statt eines Turms, wie bei Bettelorden üblich, nur einen Dachreiter. Moderne Fenster von Paul Weigmann illustrieren den Sonnengesang des heiligen Franz.
Seit 1957 unterstand die Pfarrei bis April 2007 wieder der Obhut der Minoriten der Deutschen Ordensprovinz. Nach Auflösung Ende 2006 als eigenständige Pfarre fusioniert sie mit der Pfarrei St. Martin. Als Nachfolger ist nun die Gemeinschaft Chemin Neuf an St. Remigius ansässig. Sie hat die Leitung der nach St. Remigius umgezogenen Kath. Hochschulgemeinde übernommen, die auch die Kirche als Hochschulkirche nutzt. Ferner wird die Kirche weiterhin für normale Gottesdienste genutzt.
| Mo-So 8 - 18 Uhr | ||